Verein // 11.09.2026
Mitgliederversammlung 2026: Weichen für die Zukunft gestellt. Markus Lewe folgt auf Karin Reismann.
Der Verein zur Förderung des Leistungssports Münster hat bei seiner Mitgliederversammlung am 8. September 2026 wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Im Mittelpunkt standen der Planungsstand für den Neubau des Sportinternats Münster sowie die turnusmäßigen Vorstandswahlen. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Vereins stellte sich Karin Reismann nicht erneut zur Wahl. Zu ihrem Nachfolger wählten die Mitglieder einstimmig den ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe.
Rund 30 stimmberechtigte persönliche Mitglieder und Vertreter der Mitgliedsvereine nahmen teil. Auch aus Politik, Verwaltung und organisiertem Sport war die Versammlung prominent besetzt: Bürgermeister Klaus Rosenau (in Vertretung des Oberbürgermeisters), der Vorsitzende des Sportausschusses Philipp Hagemann, Sportdezernent Thomas Pahl, der sportpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion Markus Biedefeld, Sportdezernent Andreas Sornig von der Bezirksregierung, Hubert Martens, Präsident des Westdeutschen Volleyball-Verbandes, sowie Vertreter der NRW-Sportschule und der DJK-Sportstiftung.
„Ein wichtiger Baustein des Sportstandortes Münster“
Bürgermeister Klaus Rosenau unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des Vereins und des Sportinternats für den Sportstandort Münster. Das Zusammenspiel von Sportinternat, NRW-Sportschule, Vereinen und weiteren Partnern gebe jungen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern die Voraussetzungen, schulische oder berufliche Ausbildung mit Leistungssport zu verbinden.
Der Verein habe zudem über Jahre zahlreiche junge Athletinnen und Athleten begleitet, die heute als Sportbotschafter weit über Münster hinaus wirken. Leistung, Fairness, Verantwortungsbewusstsein und gesellschaftliches Engagement seien Werte, die nicht nur den Sport, sondern auch die Stadt prägen.
Neubau des Sportinternats: Konzept mit zwei Säulen
Lutz Kapowitz – bereits Bauherr der Kletterhalle auf dem DJK-Gelände an der Coburg und Investor des geplanten Neubaus – stellte den Mitgliedern den aktuellen Planungsstand vor.
Das Konzept sieht zwei Bereiche vor: das eigentliche Sportinternat sowie einen zusätzlichen Wohnbereich für Studierende und Auszubildende mit besonderem Bezug zum Leistungs- und Spitzensport. Die Vergabe dieser Plätze soll der Verein anhand eines eigenen Kriterienkatalogs regeln.
Mit einer Förderung des studentischen Wohnbereichs durch das Land NRW könnten für Münsteraner Verhältnisse günstige Wohnmöglichkeiten entstehen – geplant sind rund 260 Euro monatlich inklusive Nebenkosten für voll ausgestattete Zimmer bzw. Wohneinheiten mit eigenem Bad und Kochmöglichkeit.
Zentrale Voraussetzung für die Realisierung des Gesamtprojekts ist die Förderzusage des Landes für den studentischen Bereich. Die Gespräche mit den zuständigen Stellen sind weit fortgeschritten; die Beteiligten zeigten sich zuversichtlich, hier zu einer tragfähigen Lösung zu kommen.
Finanzierung bleibt zentrale Herausforderung
Uwe Peppenhorst machte im Finanzbericht deutlich: Die mit dem Neubau verbundene höhere Pacht kann der Verein nicht aus eigener Kraft stemmen.
Bereits vor der Kommunalwahl hatte der Verein zahlreiche Gespräche mit Politik und Verwaltung geführt. Einigkeit bestand darin, das Sportinternat als wichtige Institution des Münsteraner Leistungssports zu erhalten und weiterzuentwickeln – verbindliche haushalterische Zusagen gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht.
Angesichts der inzwischen angespannteren Finanzlage der Stadt Münster haben sich die Rahmenbedingungen weiter verschärft. Der Verein sucht daher erneut das Gespräch mit Politik und Verwaltung und will dabei auch neue Finanzierungsmodelle prüfen. Ziel ist eine langfristig tragfähige Lösung, die sowohl der Bedeutung des Sportinternats als auch der aktuellen Haushaltslage gerecht wird.
Die DJK-Sportstiftung bekräftigte ihre Unterstützung für das Projekt. Ziel bleibt, mit dem Neubau einen besonderen Standort für den Leistungs- und Spitzensport in Münster zu schaffen und vorhandene Strukturen sinnvoll zu bündeln.
Solide laufende Finanzen
Das Geschäftsjahr 2025 schloss mit einem kleinen Überschuss und ohne wesentliche Abweichungen von der Etatplanung. Auch 2026 bewegt sich die Entwicklung im geplanten Rahmen – der Verein verfügt damit für sein laufendes Geschäft weiterhin über eine solide Basis. Davon zu unterscheiden sind die zusätzlichen finanziellen Herausforderungen durch den geplanten Neubau.
Personalsituation bleibt angespannt
Peter Bochnia berichtete über die weiterhin schwierige Personalsituation im Sportinternat. Die hohe Fluktuation erschwert eine stabile Stellenbesetzung; bei der Vergütung kann der Verein aufgrund begrenzter Mittel nur eingeschränkt mit dem öffentlichen Dienst und tarifgebundenen sozialen Trägern mithalten. Hinzu kommen die besonderen Anforderungen der Internatsarbeit mit Abend- und Wochenenddiensten. Der Verein will sich intensiv mit einer langfristig tragfähigen Personallösung befassen.
Engagement für den Leistungssport wird weiter ausgebaut
Geschäftsführer Jens Bruckmann berichtete über die Projekte, mit denen der Verein sein Engagement über den Internatsbetrieb hinaus ausgebaut hat. Besonderen Stellenwert hat das Förderteam Los Angeles 2028: Das im Vorjahr angekündigte Projekt steht dank erfolgreicher Sponsorensuche inzwischen auf finanziell tragfähigem Fundament – weitere Unterstützer werden aber weiterhin gesucht.
Die offizielle Vorstellung des Förderteams LA 28 findet am 5. November 2026 bei der Sparkasse Münsterland Ost statt. Der Blick richtet sich dabei bereits über Los Angeles hinaus: Aus dem Förderteam soll ein langfristiges Förderkonzept mit Nachwuchskader entstehen, das Talente frühzeitig auf dem Weg in den internationalen Spitzensport unterstützt – mit Perspektive auf Brisbane 2032 und möglicherweise eine künftige deutsche Olympia- und Paralympics-Bewerbung.
Weitere Projekte laufen fort: Die Wahl zum Trainer des Jahres hat sich im Münsteraner Sport etabliert, der im Vorjahr erstmals veranstaltete Trainer-Talk soll noch 2026 eine Fortsetzung finden, und die nächste Ausgabe des Vereinsmagazins ist in Arbeit. Am 27. September 2026 richtet der Verein zudem erstmals ein Benefizgolfturnier im Golfclub Münster-Tinnen zugunsten der Leistungssportförderung aus.
Geplant ist außerdem ein Alumni-Netzwerk ehemaliger Athletinnen und Athleten aus Sportinternat und Individualförderung – es soll neue Verbindungen vor allem in die Wirtschaft schaffen und heutigen Nachwuchs- und Spitzenathleten Zugang zu den Erfahrungen und Kontakten früherer Leistungssportler ermöglichen.
Ende einer Ära: Karin Reismann gibt Vorsitz nach zwölf Jahren ab
Besondere Aufmerksamkeit galt den Vorstandswahlen. Karin Reismann hatte bereits vorab angekündigt, nach 14 Jahren Vorstandsarbeit und zwölf Jahren als Vorsitzende nicht erneut zu kandidieren.
In ihrer Abschiedsrede blickte sie auf eine Entwicklung zurück, die weit über die organisatorische Weiterentwicklung des Vereins hinausgeht: Aus dem 2007/2008 noch stark vom Volleyball geprägten Internat ist ein sportartenübergreifendes Sportinternat geworden. Parallel entwickelte sich der Verein vom Internatsträger zum anerkannten Ansprechpartner und Interessenvertreter für den Leistungs- und Spitzensport in Münster – sichtbar auch an Projekten wie der gezielten Förderung Münsteraner Athletinnen und Athleten auf dem Weg nach Los Angeles 2028.
Reismann dankte ihren Vorstandskolleginnen und -kollegen, der Geschäftsführung, dem Team des Sportinternats sowie Partnern und Unterstützern für die langjährige, vertrauensvolle und vielfach freundschaftliche Zusammenarbeit. Sie übergebe, so ihr Fazit, ein gut bestelltes Feld und mache mit einem guten Gefühl Platz für eine neue Führung.
Auch Klaus Rosenau, Hubert Martens und der Präsident des Stadtsportbundes, Michael Schmitz, würdigten Reismanns langjähriges ehrenamtliches Engagement für den Münsteraner Sport. Hubert Martens hob dabei besonders ihre Verdienste um den Volleyballsport und -standort Münster hervor.
Auf Antrag des Vorstandes wählte die Mitgliederversammlung Karin Reismann per Akklamation und unter großem Applaus zur Ehrenvorsitzenden des Vereins.
Markus Lewe einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt
Für eine Überraschung sorgte die Vorstellung des Kandidaten für Reismanns Nachfolge: Nach intensiven Gesprächen gewann der Vorstand Markus Lewe, den langjährigen ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Münster, für eine Kandidatur als Vorsitzender.
Die Mitgliederversammlung nahm die Nachricht mit großer Zustimmung auf und wählte Lewe einstimmig zum neuen Vorsitzenden.
In seiner Vorstellung betonte Lewe die zentrale Bedeutung des Sports für Stadtgesellschaft und Gesellschaft insgesamt – dem Leistungssport komme dabei eine besondere Vorbildfunktion zu. Er freue sich darauf, seine Erfahrung, sein Netzwerk und seine Möglichkeiten einzubringen, um den Verein und insbesondere die Zukunft des Sportinternats weiterzuentwickeln.
Auf den neuen Vorsitzenden und den gesamten Vorstand wartet dabei sofort eine anspruchsvolle Aufgabe: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt es, gemeinsam mit Stadt, Land, Sport und weiteren Partnern die Voraussetzungen für das neue Sportinternat zu schaffen und dessen Finanzierung langfristig zu sichern.
Vorstand: Kontinuität und neue Impulse
Neben dem Wechsel an der Spitze setzt der Verein im weiteren Vorstand auf Kontinuität. Uwe Peppenhorst und Peter Bochnia wurden jeweils einstimmig als stellvertretende Vorsitzende wiedergewählt.
Als Beisitzer bestätigte die Mitgliederversammlung Jürgen Aigner, Michael Willnath und Barbara Halberschmidt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Ines Barten, ehemalige Profi-Volleyballerin und frühere Bewohnerin des Sportinternats – sie bringt künftig ihre persönliche Erfahrung aus Leistungssport und Internatsleben in die Vorstandsarbeit ein.
Gemäß Satzung wird der neu gewählte Vorstand auf seiner ersten Sitzung drei weitere Beisitzerinnen bzw. Beisitzer berufen.
Mit dem Führungswechsel und den weit fortgeschrittenen Planungen für ein neues Sportinternat beginnt für den Verein zur Förderung des Leistungssports Münster ein neues Kapitel. Die Herausforderungen bei der Finanzierung sind erheblich – zugleich kann der Verein auf einer über viele Jahre gewachsenen Struktur, einem breiten Netzwerk im Münsteraner Sport und einer soliden organisatorischen Basis aufbauen. Das gemeinsame Ziel bleibt: jungen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern in Münster bestmögliche Bedingungen für ihre sportliche, schulische und persönliche Entwicklung zu bieten.

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